Bluetooth 5 ist da – ein wichtiges Update?

Im Dezember des gerade erst vorbeigegangenen Jahres wurde die neue Bluetooth Version 5 vorgestellt. Auf der einen Seite heißt das, dass viele unserer alltäglichen Elektronika
bald nicht mehr am neuesten Stand sein werden. Andererseits hat sich seit der letzten Version einiges getan und Bluetooth wird ein ganzes Stück benutzerfreundlicher – was genau wir davon erwarten können, stelle ich in diesem Beitrag vor.

Als Wireless-Blogger habe ich hier beim VCI die Gelegenheit bekommen, in einem Gastbeitrag darüber zu schreiben – vielen Dank dafür!

Was genau ist Bluetooth?

Vollkommen unbekannt ist Bluetooth bestimmt niemandem in der Leserschaft – schließlich verwendet man es spätestens seit dem Smartphone Zeitalter hier und da um Daten auszutauschen oder Musik zu hören. Aber was ist Bluetooth genau bzw. wovon ist die Rede, wenn man von einem Gerät „mit Bluetooth“ spricht?

Ganz einfach gesagt, ist Bluetooth ein Funkstandard für den Datenaustausch – im Prinzip trifft dasselbe auf W-LAN zu. Was die beiden unterscheidet ist der Frequenzbereich und die Reichweite & Bandbreite der Verbindung.

„Mit Bluetooth“ bedeutet also nichts anderes, als die Fähigkeit eines Gerätes, diesen Funkstandard zu verstehen. Für die Welt der kabellosen Verbindungen ist Bluetooth so etwas wie USB in der Kabel-Welt. Die Vorteile liegen auf der Hand: man hat einen einheitlichen Standard, durch den unzählig viele Geräte verschiedenster Hersteller erfolgreich kommunizieren können.

Bluetooth Profile – die verschiedenen „Kabel“ der Bluetooth-Welt

Nicht jedes Gerät kann mit einem anderen Gerät über Bluetooth kommunizieren. Genauso, wie es wenig Sinn macht, eine USB-Maus an eine externe Festplatte anzuschließen, kann man ein Bluetooth Headset nicht mit einem Lautsprecher koppeln.

Wie und welche Geräte miteinander kommunizieren regeln Profile. Bluetooth Profile kann man sich als drahtloses Äquivalent zu Steckern und Buchsen vorstellen. Das Bluetooth-Pendant zum bekannten 3,5mm Audio-Kabel wäre z.B. A2DP (Advanced Audio Distribution Profile), das man zur Sound-Übertragung verwendet. Andere Profile können u.a. Anruf-Funktionen steuern, mit Faxgeräten kommunizieren etc.

Wer entwickelt Bluetooth?

Der Bluetooth Standard wird von der Bluetooth Special Interest Group (SIG) entwickelt – gestiftet wurde die Idee ursprünglich von Ericsson im Jahre 1994. Vor dem Zusammenschluss zu Sony-Ericsson kannte man die Firma vor allem als Hersteller der ersten, ziegelsteingroßen Handys, die den Konsumentenmarkt eroberten. . Die SIG ist ein Verband großer Technologie-Firmen, die schon sehr früh den Bedarf an einer Norm im Bereich der kabellosen Kommunikation erkannt haben. Zu den Gründern gehören so Namen wie IBM und Nokia.

Mittlerweile ist die Anzahl an Mitgliedern unüberschaubar geworden und wächst stetig weiter. Denn jeder Vertreiber von Bluetooth Geräten muss automatisch Mitglied der SIG werden. Mit den Mitgliedsgebühren wird dann in verschiedenen Kommitees weiter an Erweiterungen und Verbesserungen des Bluetooth-Standards gearbeitet.

Bluetooth 5: Was macht die neue Bluetooth Version?

Anfang Dezember war es dann soweit: die SIG hat einen neuen Bluetooth-Standard vorgestellt und für Entwickler freigegeben.

Bluetooth 5 bringt vor allem Neuerungen in Sachen Reichweite und Bandbreite der Verbindung:

Bluetooth 4.2 Bluetooth 5
Bandbreite bis 1 Mbps bis 2 Mbps
Verbindungsreichweite bis zu 100m (bei Class 1 Geräten);

Herkömmliche Geräte: bis zu 10m

Bis zu 4x Reichweite – auch bei LE (die SIG hat sich hier auf keine exakte Zahl festgelegt – ich rate, die Ansage mit Vorsicht zu genießen)
erkennt

Interferenzen

×

Auf den ersten Blick verändert sich für den durchschnittlichen Bluetooth-User nicht viel. Das größte Highlight ist noch die erweiterte Signalreichweite, die vor allem bei Lautsprechern und Kopfhörern praktisch sein wird.

Wer Bluetooth öfter mal zum Datentransfer vom Handy auf den PC verwendet, kann sich zwar über höhere Bandbreite freuen, aber so richtig schnell sind die 2 Mbps immer noch nicht – SD Karten sind da z.T. über 100x so schnell.

Was der SIG hingegen ein großes Anliegen gewesen zu sein scheint, ist eine Optimierung für das Internet of Things (IOT). Darüber ließe sich wieder ein eigener Beitrag schreiben – vereinfacht gesagt, geht es dabei um die Vernetzung von Alltagsgeräten, wie z.B. Kühlschränken, mit dem Internet – oder eben über Bluetooth. Gerade das Smart-Home Konzept wird also von den Neuerungen bei Bluetooth 5, wie den großen Reichweiten, die auch beim Low Energy Modus erreicht werden, profitieren. Aber auch interessante Ideen wie eine Art Innenraum-Navi (z.B. bei großen Einkaufszentren) wird durch Bluetooth 5 massentauglicher. Wär doch praktisch am Smartphone Bluetooth einzuschalten und zu sehen, wo im Gebäude man sich befindet.

Wie soll man als Verbraucher auf Bluetooth 5 reagieren?

Bluetooth 5 ist ein interessanter Schritt, in eine Richtung, die ich persönlich sehr begrüße. Aber ich werde nicht die Läden stürmen, sobald das erste Gerät auf den Markt kommt.

Das liegt vor allem daran, dass beide kommunizierenden Geräte mit Bluetooth 5 kompatibel sein müssen, um alle Vorzüge zu erhalten. Klar, bei einem PC kann man schnell mit einem neuen Dongle nachrüsten – aber ein ganzes Smartphone nur wegen dem neuen Bluetooth Standard zu ersetzen, ist vielleicht übertrieben.

Inzwischen bleibt natürlich eine Abwertskompatibilität bis zu Bluetooth 2.0 gegeben. Darum ist es sinnvoll, die Hardware Schritt für Schritt zu ersetzen – wenn überhaupt Bedarf da ist.

Erster Smartphone Prozessor mit Bluetooth 5: der Snapdragon 835

Bereits angekündigt ist, dass Qulacomms Snapdragon Prozessor-Reihe mit dem 835 auf Bluetooth 5 bauen wird. Wer sich gerade um ein neues Smartphone umsieht, sollte vielleicht auf den Release erster Geräte mit dem neuen Chip warten – so seid ihr gleich auf dem neuesten Bluetooth Stand.

Ein kleiner Schritt für Konsumenten, ein richtiger für die Industrie

Vom Standpunkt des Otto Nomralverbrauchers betrachtet, bin ich nicht von Bluetooth 5 umgeworfen.

Die Neuerungen betreffen den gewöhnlichen Anweder minimal. Die größere Bandbreite ist nett, aber noch immer nicht genug, um sinnvoll größere Datenmengen (z.B. Videos von Smartphone auf PC) zu übertragen. Während die erhöhte Reichweite toll ist, wenn man im Haus mit dem Bluetooth Lautsprecher rumrennen möchte, bin ich nicht ganz überzeugt. Zum einen kommt man in einer normalen Wohnung mit der aktuellen Standardreichweite gut aus. Zum anderen will ich erst mal sehen, ob

  1. Gewöhnliche Geräte überhaupt in diese Reichweiten-Klasse kommen. Bluetooth 4.2 schafft theoretisch 100m Reichweite – in der Praxis sieht das fast immer anders aus
  2. Die Reichweite dann auch tatsächlich erreicht wird.

Dennoch bin ich überzeugt, dass damit ein guter Schritt in die richtige Richtung getan wird. Bluetooth könnte sehr viel mehr sein, als es im Moment ist. Auch für gewöhnliche Anwender. Zwar profitieren zunächst einige Nischen-Sektoren vom neuen Standard (wie z.B. einige Medizinprodukte). Allerdings könnte die Technologie in weiterer Folge massentauglich werden und neue Bequemlichkeiten im Alltag schaffen.


Tom ist ein Freund von Elektronika ohne Kabelsalat. Vor allem Bluetooth Geräte haben’s ihm angetan und stellen den momentanen Themenschwerpunkt auf Wirelesspirat.com dar – dort bloggt er z.B. über die besten Bluetooth Kopfhörer oder erklärt, warum kabelgebundene High-End Kopfhörer nicht immer die bessere Wahl sind.

Comic Con 2017

8. BIS 9. APRIL 2017 – DESIGN CENTER LINZ

Auch dieses Jahr gibt es wieder eine Comic Con in Linz. Dieses Mal zum 2. Mal. Vielleicht könnten wir ja gemeinsam hinfahren, letztes Jahr war es schon eine tolle Veranstaltung.